Drehbuchautor Renato Cavoli
Die Kummers - ein Teil von mir
Es sind nun schon über 40 Jahre her. 3. und 4. Primarklasse in Sursee. Ich las beim Coiffeur den «Tipp», das Sportmagazin der Toto-Gesellschaft, und den «Sport». Beide Publikationen gibt es nicht mehr. Nicht dass Sie nun meinen, meine Eltern hätten jede Woche dreimal die 3 Franken 50 für den Besuch bei italienischen Figaro Santo ausgegeben. Ich hatte das Privileg bei ihm die genannten Druckerzeugnisse lesen zu dürfen. Kostenlos. Dafür noch heute ein «Mille grazie Santo!»
Ich genoss seinerzeit auch noch ein anderes Privileg, ohne zu wissen, dass es ein solches war. Ich war nämlich, davon bin ich noch heute fest überzeugt, der einzige unseres Schulhauses, der Elisabeth Müllers Buch «Die 6 Kummerbuben» bereits gelesen hatte, als Franz Schnyders TV-Vorabendserie in unsere Stuben flimmerte. In unserer Schulbibliothek hab ich genau zwei Bücher ausgeliehen. Immer wieder die gleichen. Ein Jahr lang, bevorich dann in die 6. Klasse kam und mich nicht mehr dafür hielt, Jugendbücher zulesen. Man wollte ja schliesslich «erwachsen» sein. Neben den «6Kummerbuben» waren «Die Kinder von der Schäferwiese» meine zweite Heimlektüre. Ich habe beide Bücher gut ein Dutzend mal ausgeliehen. Und auf dem Zettel, den das pflichtbewusste Fräulein Illi in der Schulbibliothek ausfüllte, sah ich, dass ich der einzige war, der diese beiden Bücher mit nach Hause nahm.
Von den «Kindern auf der Schäferwiese» habe ich später nie mehr etwas gehört. Schade eigentlich. Die Familie Kummer hingegenwurde auch dank Franz Schnyders Fernsehserie zu einem Teil von mir. Dr VatterGottfred und d‘Muetter Sophie, dr Mändu und dr Hänsu, dr Fritzli und dr Fredi, dr Peekli und dr Päuli, und Scheideggers überobe. Mir hatten es vor allem die beiden mittleren Buben angetan. Und hier speziell der Fredi. Wegen ihm «kummerte» ich auch das eine oder andere Mal. Vielleicht, weil er mir mit seiner Hilflosigkeit und seinem weichen Gemüt so leid tat. Vielleicht auch,weil ich in der Schule ein ebenso schlechter Rechner war wie der kleine Fredi. Wir wurden via Fernsehen Verbündete, der Fredi und ich.
Viele Jahre und Dutzende von Büchern später, begann dann meine Leidenschaft fürs Theater. Und als mir meine Regie-Kollegin Madlen Mathys, deren Theaterarbeiten mich in den vergangenen Jahren immer wieder begeisterten, mich mit ihrem Wunsch vertraut machte, die Geschichte der Familie Kummer als Theater aufzuführen, war ich sofort hell begeistert. Und das Schreiben des Drehbuches für das Freilichttheater «Alti Sagi» in Heimenhausen war mir in der Folge mehr Vergnügen als Arbeit.
Dieses Vergnügen wünsche auch Ihnen, liebes Publikum. Und seien sie weniger böse mit dem Lüthi Hannes und dem Joggi, dem Wäberli, dem Güschtu und dem Heiri, als ich es in den 60er-Jahren war... Tauchen Sie ein in eine wunderbare Geschichte voller menschlicher Schwächen und Stärken, voller Entbehrungen und grosser Kinderträume.
Informationen über Renato Cavoli:
Renato Cavoli, aufgewachsen in Sursee, wohnhaft in Schötz LU. Verheiratet. Im Hauptberuf Redaktor beim Willisauer Boten, seit 36 Jahren freier Mitarbeiter beim Schweizer DRS als Sportberichterstatter. Seit 14 Jahren Regisseur der Laien-Theatergruppe Schötz, seinem Stammverein. Daneben inszenierte er auch grössere Produktionen mit den Theaterleuten des Kirchenchors Ballwil.
Autor verschiedener Laientheater: Unter anderem «Dällebach Kari», uraufgeführt 1997 in Schötz und danach auch von Madlen Mathys in Solothurn mit grossem Erfolg inszeniert. «Matto», nach dem Roman von Friedrich Glauser, uraufgeführt 1999 in Schötz.
Autor von zahlreichen Kurztheatern wie «Eiger, Mönch und Buurechörli», «Gant ufem Guggisbärg», «Atrenket ufem Birkehof», «Raub am Hochsigstag», «Lehrerkonferänz» «S'Faschtesäckli» usw.


