Ein Stück nach dem Roman von Elisabeth Müller, 8. Juli ­bis 13. August 2011

Die «alti Sagi» in Heimenhausen

Sagi

. . . die alten Balken sind mit Moos bewachsen und die Schindeln auf dem Dach sind von der Sonne und dem Regen gebleicht. In der Luft liegt ein Geruch von frischem Sägemehl und Wasser. Über dem grossen Wasserrad sprühen tausende von Wassertröpfchen und bilden einen Regenbogen in der Sonne. Im Halbdunkel des Gebäudes frisst sich ein grosses Sägeblatt kreischend durch einen Baumstamm . . .


Diese Zeilen stammen keineswegs von einem Heimat­roman aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts. Vielmehr kann die geschilderte Ambiance tatsächlich heute noch erlebt werden - in der alten Sagi in Heimen­hausen. Die alte Sägerei, von der hier die Rede ist, steht am Ufer der Oenz, im Oenztäli bei Heimenhausen. Man weiss nicht mehr genau, wann sie erstellt wurde. Man vermutet, dass die Sägerei um 1800 gebaut wurde.

Im Jahr 1830 wurden die Gebäulichkeiten von der Burger­gemeinde Heimenhausen an die Ein­wohner­gemeinde verkauft, welche die Liegenschaft an einen Baumeister verpachtete. Der von ihm angestellte Sager arbeitete im Akkord und wurde für jeden Schnitt entlöhnt. Für einen Schnitt erhielt der Sager 30 Rappen und kam so auf einen Tageslohn von rund zehn Fran­ken. Der Sager und seine Familie wohnten im kleinen Stöckli neben der Sägerei.

 

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Als im Jahr 1969 der letzte Sager Paul Beutler starb, schrieb die Gemeinde Heimenhausen die Sägerei und das Stöckli zum Verkauf aus. Das Interesse hielt sich jedoch in Grenzen, weil der Zahn der Zeit an den beiden Liegenschaften stark zugesetzt hatte. Schliesslich wurde die Liegenschaft an den Sohn des letzten Sagers verkauft, dessen Familie den Betrieb während drei Generationen geführt hatte. Der neue Eigentümer renovierte zusammen mit einem Kollegen die alten Ein­rich­tungen und sägte hie und da noch ein paar Stämme für Bekannte.

Im Jahr 1996 kauften Klaus und Ursula Allemann aus Wanzwil die Sägerei. Die inzwischen ziemlich verwahrloste Anlage musste dringend saniert werden. Die Löcher im teilweise noch mit Schindeln bedeckten Sägereigebäude waren gross. Mit grossem Aufwand über mehrere Jahre hinweg wurde die Anlage sanft renoviert. Hunderte von Stunden wendeten Klaus Alle­mann, seine Familie und Bekannte auf, um die Gebäude, das Sägewerk, das Wasserrad und die gesamten technischen Einrichtungen wieder auf Vorder­mann zu bringen.

 

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Heute ist die gesamte Anlage also wieder vollumfänglich intakt. Angetrieben wird das Sägewerk durch ein «Zuppinger Niedergefällerad», das einen Durchmesser von zirka 5 Metern aufweist. Es leistet bei 400 Litern Wasser pro Sekunde rund 6,5 PS. Die Energie wird auf ein Kammrad übertragen, das über ein Ritzel die Tansmission in Gang setzt. Von da wird die Kraft über Flachriemen auf das Sägegatter übertragen. Bei der Säge selber handelt es sich um einen Einfachgang, der im Gegensatz zum heute gebräuchlichen Vollgatter nur ein Sägeblatt hat. Die schweren Stämme werden mit einer ebenfalls mit Wasserkraft betriebenen Winde auf den Bockwagen gezogen, fest gespannt und mit einem urtümlichen Schiebezug gegen das Sägeblatt befördert. Das Gatter senkt sich pro Minute rund 130-mal, was das Sägereigebäude jeweils erzittern lässt.

Klaus und Ursula Allemann vermieten die Sägerei für Firmenapéros, Familien- und Vereinsanlässe und führen ab und zu auch selber Veranstaltungen durch.

 


Die Gnepfe

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Die meisten Sägen werden mit Wasserrädern angetrieben. In der Schweiz gab es eine davon völlig abweichende Antriebseinrichtung. Sie bestand aus einem Waagbalken mit einem Gefäss auf der einen und einem Gegengewicht auf der andern Seite. Das Sägegatter war über eine Stelze mit dem Waagbalken verbunden und erreichte eine Hubfrequenz von zirka 10 Hübe pro Minute.

Das Wort «gnepfen» kommt aus dem Allemannischen und bedeutet «kippen». Das letzte Sägewerk mit diesem Kipphebelantrieb wurde wohl ums Jahr 1890 stillgelegt. Heute erinnern nur noch Flurnamen und der Aus­spruch «uf dr Gnepfi» an diese urtümlichen Wasser­werke.

 

 





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